Naturpark statt Windpark
Stephanshausen
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Die BI Naturpark statt Windpark

Biodiversität

Es gibt keinen Artenschutz ohne Schutz der Lebensräume! - Thesen zu Rheingaugebirge-Hinterlandswald

1. Das größte unzerschnittene hessische Waldgebiet (laut Naturparkangaben) ist der Rheingauer Hinterlandswald, vom Taunuskamm abfallend zur Wisper - hier angegeben mit 210 qkm , andernorts mit 22000 ha. Als der eigens dafür gegründete Wasserverband in den 70 er Jahren einen riesigen Stausee im Ernstbachtal bauen wollte, schrieb er in seiner Projektbroschüre: "Das Ernstbachtal liegt in einer ungestörten Mittelgebirgslandschaft, wie sie in der Nähe eines Ballungsraums nur noch selten angetroffen wird." Die Wasserwirtschaft dachte dabei an das saubere Wasser, das diese "ungestörte" Landschaft liefern sollte, für die "Freunde des Ernstbachtales" aber war es das zentrale Argument zu sagen: Laßt die Finger von dieser Waldlandschaft! Sie soll nicht in den zivilisatorischen Würgegriff genommen werden. Siehe auch Keine Talsperre im Ernstbachtal. Dies gilt heute noch mehr und auch für die Energiewirtschaft, denn noch werden täglich mehr als 100 ha Land überbaut . Bis 2020 soll der "Flächenverbauch" auf 30 ha täglich reduziert werden in Deutschland.

2. Es war auch hier nicht immer "heile Waldwelt". Brennholzgewinnung, Waldweide der Hausschweine, Laubentnahme für Einstreu hatten den Wald und v.a. die Waldböden ausgezehrt. Erst mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zunächst unter nassauischer, dann preußischer Herrschaft zu einer planmäßigen Forstwirtschaft, zu einer "nachhaltigen" Bewirtschaftung der Wälder. (der heute überstrapazierte Begriff "Nachhaltigkeit" geht auf die deutsche Forstbewirtschaftung zurück, nicht mehr zu entnehmen als nachwächst). Wie diese "nachhaltige Forstwirtschaft" gestaltet wird, wenn auch mit der "Energiewende" zu "Erneuerbaren Energien" der Hunger nach Holz wächst, muss im Dialog von Forstwirtschaft, Politik, Naturschutz und interessierter Öffentlichkeit kritisch beleuchtet werden. Eine einseitige Nutzung und gar Ausbeutung des Waldes als Rohstofflieferant Holz muss vermieden werden.

3. Rheingaugebirge und Hinterlandswald haben eine Facetten reiche Naturausstattung: Der Quarzitkamm mit der Kalten Herberge (619m) als höchste Erhebung zeigt deutlich niedrigere Durchschnittstemperaturen mit 6 bis 7 Grad bei rd. 800 mm Jahresniederschlag. Auf den sauren Böden wächst heute noch in großem Anteil die Fichte. Sie wurde als relativ anspruchloser Baum auf den heruntergewirtschafteten Böden angepflanzt. Typisch sind die Rotbuchenwälder, der deutsche Baum, der auch hier wieder Platz greift. (Greenpeace will einen Buchenwald-Nationalpark-Verbund und sieht Rheingaugebirge-Hinterlandswald als prädestiniert für einen zweiten Nationalpark in Hessen an.

13.04.2011: PDF, Dateigröße: 5.5 MB: Greenpeace-Gutachten Rotbuchenwälder im Verbund schützen (Langfassung)
12.04.2011: PDF, Dateigröße: 3.5 MB: Greenpeace-Gutachten Rotbuchenwälder im Verbund schützen (Zusammenfassung) )

Zur Wisper hin vermindern sich stufenweise die Niederschläge auf 550 bis 650 mm, die Durchschnittstemperaturen steigen bis auf 8 bis 9 Grad. Auch die Boden- und Feuchtigkeitsverhältnisse variieren stärker. Wir finden den Buchenmischwald, die wärmeliebende Traubeneiche, Hainbuche, Bergahorn, Wildkirsche, Esche, Winterlinde und großflächig Eichen-Mischwald . Vom Kamm des Rheingaugebirges haben sich z.T. schluchtartig Bäche ihren Weg in die prägenden Gesteine Quarzit und den wenig widerstandsfähigen Schiefer eingeschnitten. Sie sammeln sich im Ernstbach (Erlenbach) mit dem Ernstbachtal als Herz des Hinterlandswaldes. Der Ernstbach mündet am Hermannsteg in die Wisper. Entsprechend der vielfältigen Struktur gibt es hier Lebensräume für eine reiche Tier- und Pflanzenwelt, worüber die Vorträge von Herrn Nickel und Herrn Hausch berichten ("Alte Schule Stephanshausen am 28.2.2012). Einen Einblick und vielfältige Anregungen bietet die sehr umfangreiche website von Herrn Ronald Nickel: Siehe

 

Nachdem hier Rotwild und auch Mufflons angesiedelt wurden, die längst heimisch sind, gibt es jetzt Hinweise auf den Luchs. Dieser fast ausgerottete Beutegreifer findet hier einen geeigneten Lebensraum. Dies unterstreicht zugleich das Entwicklungspotenzial dieses Gebietes, wenn man es in Ruhe läßt. Dieses Gebiet hat also eine hohe Bedeutung für die Erhaltung der Vielfalt an Arten und Lebensräumen. Nach Ansicht vieler Biowissenschaftler weltweit verläuft das Artensterben derzeit um das 100- bis 1000fache schneller als die natürliche Rate, weshalb man von einem "Sechsten Massensterben" spricht, vergleichbar den Ereignissen vor 65 Millionen Jahren, als u.a. die Dinosaurier verschwanden. Als Hauptursache wird der Verlust und die Verschlechterung von Lebensräumen angesehen, verschlimmert durch den Klimawandel. Viele Biowissenschaftler betrachten das Artensterben als gravierender für die Menschheit als den Klimawandel. Im April 2012 soll der UN-BiodiversitÀtsrat IPBES gegründet werden, in der Funktionsweise am Weltklimarat IPCC orientiert. Klicken Sie hier: "BMU - IPBES - Internationales wissenschaftliches Beratungsgremium zur biologischen Vielfalt"

4. Keine Flächennutzungsänderung im Rheingaugebirge-Hinterlandswald für Windgewerbe u.a. Anknüpfend an die politische Zielsetzung der Erhaltung der Artenvielfalt (Biodiversitä€t): Flächennutzungsänderungen und Landnutzungsintensivierung stellen eine große Bedrohung für die biologische Vielfalt in Europa dar. Um dieser Bedrohung zu begegnen, müssen Belange der Biodiversität und Lebensräume in andere Politikbereiche und Sektoren integriert werden wie bspw. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasser, Meeresumwelt und Fischerei, Regional- und Kohäsionspolitik, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, Verkehr und Energie. Nur auf diese Weise kann die ökologische Kohärenz zwischen den verschiedenen Habitaten und Schutzgebieten in Europa gestärkt werden. Die geplante EU-Strategie für grüne Infrastruktur zielt darauf ab, diese Probleme zu beheben, und zerschnittene Habitate erneut miteinander zu verbinden, Ökosysteme in einem gesunden Zustand zu erhalten, beschädigte Lebensräume zu renaturieren sowie Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel bereitzustellen. Investitionen zum Aufbau einer grünen Infrastruktur erfordern intelligente und integrierte Konzepte in der Raumplanung. Nur so läßt sich sicherstellen, dass die begrenzten Landressourcen in Europa eine Vielzahl von Funktionen für Natur und Gesellschaft bereitstellen. (Ecologic Institut EU) Kli c ken Sie hier: "Design, Implementierung und Kosten von Projekten zur "Grünen Infrastruktur" | Ecologic Institut: Ein intern

5. Im Rheingau-Taunus-Kreistag liegen Anträge der CDU- und der SPD-Fraktion vor, die eine Biosphärenregion anstreben. Politik, Naturschutz, andere Verbändegruppen wie die interessierte Öffentlichkeit sollten mit beitragen zu einem guten Konzept, in dem dieses Waldgebiet als besonders wertvoll geschützt wird. Der jetzige Schutzstatus u.a. mit FFH-Gebiet Wispertaunus ist nicht hinreichend und ein politisches Versäumnis. Klima- und Energiepolitik können und dürfen nicht gegen die Aufgabe und Zielsetzung der Sicherung der biologischen Vielfalt betrieben werden. Wir suchen 2% Landesfläche für Windgewerbe; 98 % bleiben frei von Windrädern. Rheingauer Hinterlandswald-Rheingaugebirge müssen zu den 98% gehören!

Autor: Wolfgang Landsfeld, Eltville im Rheingau, ZDF-Umweltpreisträger MUNA2003


Siehe auch:

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